DIE ZUKUNFT IST OHNE GEWÄHR

Zurück zu den ArtikelnArtikel drucken

Artikel veröffentlicht: 17.02.2011, 19:25 Uhr

Der folgende Beitrag des französischen Philosophen André Glucksmann ist auszugsweise dem online-Magazin perlentaucher entnommen, dort wiederum aus der französischen LIBÉRATION übersetzt.

Was in Politik und Ökonomie nicht geht, ein "Dritter Weg", das ist der Geschichte vorbehalten: ihre Alternative ist nicht Optimismus vs. Pessimismus. Das "Dritte, das es gibt" ist die Offenheit der Zukunft -"Revolution ohne Gewähr". 

Eine ausgesprochen christliche und jüdische Denkfigur übrigens, die dem Verständnis  der Unverfügbarkeit dessen sehr nahe kommt, was G´tt anvertaut ist. Und so lässt sich dann auch nicht gänzlich ausschließen, dass die optimismus-getränkten Theologien der letzten Dekaden (ihre Variationen sind kaum zu zählen) möglicherweise einen Mangel an G´tt-Vertrauen zu kompensieren versuchen.    

-kr-

André Glucksmanns Text vollständig hier  http://www.perlentaucher.de/artikel/6746.html

Auszüge PERLENTAUCHER - Essay
 Revolution ohne Gewähr
Von André Glucksmann

17. Februar 2011

Wer Revolution und Freiheit sagt, sagt nicht gleich Demokratie, Respekt für Minderheiten, Gleichberechtigung, gute Nachbarschaft. Das alles bleibt noch zu erringen. Begrüßen wir die arabischen Revolutionen und begleiten wir sie mit wachem Blick auf die Gefahren.
Eine Revolution überrascht die Welt: die oben, von Panik ergriffen; die unten, die nicht fassen können, wie sie von Minute zu Minute ihre Angst überwinden; die außen - Experten, Regierungen, Fernsehzuschauer, ich selbst - beschuldigt, das Unvorhersehbare nicht vorausgesagt zu haben. (...)

Nachdenken bedeutet nicht loszuspurten, um ein Ereignis einzuholen und zu überholen, das einem den Atem nimmt. Abgesehen von der Bewunderung für die Massen, die ihre Angst bezwingen, ist es interessant sich mit der Überraschung zu befassen, die die vorgefassten Meinungen so unvorbereitet getroffen hat. (....) Mit Gewalt reißen sie die scheinbar festgefügten ethnischen und religiöse Blöcke ein, die "arabische Welt", die "islamische Kultur". Wie wurde uns eingetrichtert, dass Freiheit und Demokratie der arabischen Straße unwichtig seien, solange der israelisch-palästinensische Konflikt andauert?

Seit Januar 2011 gibt es keine Zwangsläufigkeit mehr im Maghreb und im Nahen Osten. (...)
Sie trägt über die Grenzen ein Virus der Freiheit (...).

 

(...) Jede große Demokratie des Westen weiß um ihre gewaltsamen Ursprünge, (...) Als Macht der Gegensätze birgt die Freiheit "den tiefsten Abgrund und den höchsten Himmel" (Schelling). (...) Wer Revolution und Freiheit sagt, sagt nicht gleich Demokratie, Respekt für Minderheiten, Gleichberechtigung, gute Nachbarschaft mit anderen Völkern. (...) Die Zukunft ist ohne Garantie.

Aus dem Französischen von Thekla Dannenberg

 

Sie möchten diesen Artikel kommentieren? Artikel kommentieren

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert.
Hier können Sie selbst einen Kommentar schreiben.


  Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit - Universitätsstrasse 19, 45141 Essen