ÜBER DIE PFLICHT ZUR KRITIK

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Artikel veröffentlicht: 21.03.2012, 10:37 Uhr

Wir danken dem Autor, Prof. Ekkehard Stegemann (Basel), für die Erlaubnis zur Übernahme des folgenden Beitrags.
Karl H. Klein-Rusteberg

http://www.audiatur-online.ch/2012/03/20/der-tunnelblick-von-pfarrer-dettwiler/

audiatur-online.ch - Informationen, Analysen und Kommentare zu Israel und dem Nahen Osten

Der Tunnelblick von Pfarrer Dettwiler

Ekkehard W. Stegemann
20. März 2012

In einer theologischen Zeitschrift hat kürzlich Rolf Schieder, Professor für Theologie an der Berliner Humboldt-Universität, im Blick auf die Debatte über das sogenannte „Kairos-Palästina-Dokument“ geschrieben: „Es ist die geschwisterliche Pflicht der europäischen Christen, ihre palästinensischen Schwestern und Brüder nachdrücklich auf die Gefahren eines theologischen Antijudaismus aufmerksam zu machen.“
Er hebt dabei darauf ab, dass dieses Dokument, verfasst von einigen palästinensischen Christen, eine problematische Linie der Enterbungstheologie und der gezielten Herabsetzung der Juden fortführt, obwohl derartiger theologisch-christlicher Antijudaismus in vielen Kirchen mit Recht in Misskredit gekommen ist. Ebenso ist darauf hinzuweisen, dass dieser Text nur von Privatleuten verfasst und ausdrücklich nicht von einer kirchlichen Körperschaft veröffentlicht worden ist. Gleichwohl haben ihn Funktionäre des Weltkirchenrats und einzelne Regionalkirchen so lanciert, als handle es sich hier um eine offizielle Stellungnahme im Namen aller palästinensischen Christen.
Diese propagandistische Strategie kirchlicher Funktionäre für das „Kairos-Palästina“-Papier hat auf der Internetseite der Refomierten Kirche im Kanton Zürich auch Pfarrer Peter Dettwiler betrieben. Als Beauftragter für Ökumene, Mission und Entwicklung empfindet er offenbar eine solche Obsession für dieses Pamphlet, dass die Webseite seiner Fachstelle nun mit Dokumenten und Erklärungen zum „Kairos-Palästina“- Papier bestückt ist. Vergeblich sucht man da kritische Analysen, die es reichlich gibt. Allein die wohl schlecht übergehbare kritische Stellungnahme des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds findet sich. Aber natürlich durfte die Stimme eines Rabbiners nicht fehlen, der so seine Kritik an Israel international platzieren kann. Rabbiner Jeremy Milgrom gehört der linksextremen, antizionistischen und ausdrücklich pro-palästinensischen Organisation „Rabbiner für Frieden“ an. Mit anderen Worten: Der ideologische Tunnelblick von Pfarrer Dettwiler sorgt dafür, dass auf der offiziellen Internetseite der Reformierten Landeskirche im Kanton Zürich ein kritischer Diskurs nicht stattfindet.
Der vorläufig letzte Text auf dieser Seite erscheint so, als spräche er für die Reformierte Landeskirche im Kanton Zürich (Titel: „Kairos-Palästina und die Landeskirche“). Da setzt nun der kirchliche Funktionär der Propaganda für Mitri Raheb (Hauptverfasser des Pamphlets „Kairos-Palästina“) und andere Fundraiser des europäisch-christlichen Schuldkomplexes die Krone auf. Er spricht von „den besetzten Gebieten Israels/Palästinas“ (ähnlich wie die Hamas, die freilich das Wort „Israel“ nicht in den Mund nimmt, sondern nur vom besetzten Palästina spricht und dabei das ganze Staatsgebiet Israels meint). Welche Gebiete Israels sind für Pfarrer Dettwiler besetzt?
Der Text unterschlägt, dass im Unterschied zu den arabisch-muslimischen Ländern und auch im Unterschied zu den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde gerade in Israel Christen nicht bedrängt werden, sondern Religionsfreiheit geniessen und an absoluten Zahlen gemessen sogar stark zugenommen haben. Dass der Exodus von Christen aus Bethlehem hingegen rasant ist und ihr Bevölkerungsanteil drastisch abgenommen hat, ist wahr. Doch zu unterstellen, dass Israel dafür die Schuld trägt, ist einfach einfältige Propaganda. Von ähnlicher unkritischer Apologetik für das Kairos-Pamphlet strotzt der Text auch sonst. Man kann der Reformierten Kirche im Kanton Zürich nur raten, sich nicht durch Pfarrer Dettwiler zum Sprachrohr einer Handvoll politisch revisionistisch und theologisch antijüdisch eingestellter palästinensischer Christen machen zu lassen. Das lenkt nämlich von der Wahrnehmung der wirklich verfolgten und bedrängten Christen in Staaten mit muslimischer Mehrheit ab.

 

 

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