KOPTISCHE KRISTALLNACHT

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Artikel veröffentlicht: 27.10.2011, 18:47 Uhr

KOPTISCHE KRISTALLNACHT
Der folgende Beitrag ist bereits einige Tage alt, dennoch aktuell und in so mancher Hinsicht interessant.

- Da ist die grundsätzliche Tatsache, die in dem Leitsatz angekündigt ist:
Das Desinteresse des Westens am Schicksal der Christen im Osten, nicht zuletzt das Desinteresse des so vielfach engagierten Christentums. Wo sind die basis-christlichen Aktionsgruppen, die über die Christenverfolgung im Osten in ihren Gemeinden und lokalen Öffentlichkeiten informieren, die das Schild "Wer schweigt wird mitschuldig!" (schon älter und wegen der früheren zahlreichen Einsätze ein wenig abgegriffen) hervorgeholt und aller Welt zeigen?
- Aber da ist beispielsweise auch der Hinweis auf den Vortrag, den Papst Benedict XVI. in Regensburg gehalten hat, der doch schnell - fast möchte man sagen - auch vom Vatikan relativiert wurde, um nicht als islamfeindlich in die Geschichte einzugehen. Aus jüdischer Sicht (und die Autorin steht für weitere) galt die ursprünglich gehaltene Papst-Rede jedenfalls als wichtiges und durchaus positives Signal christlicher, westlicher Selbstbehauptung. Wann wird das Vatican-Archiv die Dokumente freigeben, die die innerkatholischen und innerhalb des Vatican stattgefundenen Kontroversen um diese Rede dokumentieren?

Heute - 27. Oktober 2011 - war von einer "Coptic Kristallnacht", ebenfalls von einem jüdischen Autor, zu lesen. Der Titel drängt die Frage auf: Was soll all dies Erinnern, wenn die juden- und - wie man sehen kann! - christenfeindliche Vehemenz im arabisch-islamistischen Raum dem, also unserem Schweigen anheimfällt? Was hören wir am 9. November 2011? Wir haben uns doch verpflichtet hin und nicht weg zu schauen. Schauen wir also in den größeren Mittleren Osten! Es gibt (zu) viel zu sehen, wenn die Augen nicht weit geschlossen sind!
Karl H. Klein-Rusteberg

 

JERUSALEM POST (in Übersetzung von hagalil 25.10.2011)

DIE VERGESSENEN CHRISTEN DES OSTENS
10. Oktober 2011

Es ist nicht klar, was die westlichen Regierungen und westlichen Kirchen erreichen wollen, indem sie vor der Verfolgung der Christen in muslimischen Ländern ihre Augen verschließen…

Von Caroline B. Glick, The Jerusalem Post

Am Sonntag-Abend (9.Oktober) versuchten ägyptische Kopten eine friedliche Mahnwache vor dem Gebäude des ägyptischen Staatsfernsehens in Kairo abzuhalten. Diese tausend Christen vertreten die alte rund acht Millionen starke christliche Gemeinde Ägyptens, die schon vor der Gründung des Islams dort mehrere Jahrhunderte existiert hatte. Sie versammelten sich in Kairo, um zu protestieren: Gegen die jüngste Verbrennung von zwei Kirchen durch einen islamischen Mob, und gegen die vom Staat unterstützte und rapide eskalierende Gewaltausübung muslimischer Gruppen an Christen. Das geschah seit dem Sturz des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak.

Nach koptischen Quellen wurden die Demonstranten am Sonntagabend von islamischen Angreifern bedrängt, die bald vom Militär unterstützt wurden. Dabei wurden zwischen neunzehn und vierzig Kopten von Soldaten und muslimischen Angreifern getötet. Sie wurden von Militärfahrzeugen überfahren, geschlagen, erschossen, und durch die Straßen von Kairo geschleift.

Das staatliche Fernsehen berichtete am Sonntagabend nur, dass drei Soldaten getötet worden seien. Laut al-Ahram Online haben die Militärs die Studios von al-Hurra TV am Sonntag Abend angegriffen, um die Berichterstattung über die Angriffe des Militärs auf die Kopten zu verhindern.

Offenbar gelang der Versuch, die Berichterstattung über die Geschehnisse zu verhindern. Die Nachrichten vom Montag gaben wenig Hinweise auf die Identität der Toten und Verletzten. Das, was tatsächlich passiert ist in Kairo am Sonntagabend, wurde verschwiegen.

Im Zusammenhang mit diesen Spannungen sprach der libanesische, katholisch-maronitische Patriarch Bechara Rai vor zwei Wochen eine Warnung aus. Während seines offiziellen Besuchs in Paris warnte Rai den französischen Präsident Nicolas Sarkozy, dass der Sturz des Assad-Regimes in Syrien eine Katastrophe für die Christen in Syrien und in der gesamten Region bedeuten könnten. Derzeit wird die vom Westen unterstützte syrische Opposition von der Muslimbruderschaft dominiert. Rai verwies darauf, dass der Sturz von Präsident Baschar al-Assad zu einem Bürgerkrieg und der Errichtung eines islamischen Regimes führen könnte.

Seit dem Sturz des irakischen Baath-Regimes von Saddam Hussein durch die von den USA angeführte Allianz 2003 hat sich dort ein blutiger Dschihad, geschürt von iranischen und syrischen Interessengruppen, gegen die christliche Bevölkerung formiert. In diesem Monat jährt sich das Massaker des vergangenen Jahres an 58 christlichen Gläubigen in einer katholischen Kirche in Bagdad. Vor einem Jahrzehnt gab es 800 000 Christen im Irak. Heute sind es noch 150 000.

Unter dem Schah von Persien konnten iranische Christen mehr oder weniger frei ihre Religion ausüben. Jedoch heute sind sie den Launen der islamischen Herren ausgesetzt, die kein anderes Gesetz als die Vorherrschaft des Islam kennen.

Nennen wir das Schicksal von Yousef Nadarkhani, einem evangelisch-protestantischen Prediger, der vor zwei Jahren verhaftet und wegen ‘Apostasie’[01] und der Weigerung, seinem christlichen Glauben abzuschwören, zum Tode verurteilt wurde. Es gibt kein Gesetz gegen Apostasie im Iran, aber egal. Ayatollah Khomeini war gegen Apostasie. Und so funktioniert das islamische Recht.

Als Nadarkhanis Geschichte im Westen publik wurde, änderten die Iraner ihren Kurs. Jetzt haben sie angeblich die Anklage auf Apostasie aufgegeben und verurteilten Nadarkhani wegen Vergewaltigung zum Tode. Die Tatsache, dass er nie wegen Vergewaltung verdächtigt oder angeklagt worden war, ist eine „unbedeutende“ Nebensache.

Palästinensische Christen haben in ähnlicher Weise unter ihren demokratisch gewählten Regierungen gelitten. Als die Palästinensische Autonomiebehörde im Jahr 1994 gegründet wurde, machten die Christen 80 % der Bevölkerung Bethlehems aus. Heute sind es weniger als 20%.

Seit die Hamas Gaza im Jahr 2007 “befreite”, ist die Minderheit des dort seit der Antike existierenden Christentums fortwährend Ziel von Angriffen. Die nur 3000 Mitglieder der christlichen Gemeinde von Gaza mußten mit ansehen, wie ihre Kirchen, Klöster, Buchhandlungen und Bibliotheken durch Hamas-Mitglieder und deren Verbündete verbrannt wurden. Ihre Mitglieder wurden getötet und angegriffen. Während die Hamas vorgibt, die Christen von Gaza zu schützen, wurde niemand für antichristliche Gewalt belangt.

So wie die Juden der islamischen Welt mit Gewalt aus ihren uralten Gemeinden durch die arabischen Herrscher vertrieben worden sind, seit der Gründung des Staates Israel, so wurden dort auch Christen verfolgt und aus ihren Häusern vertrieben. Populisten des islamistischen und arabischen Regimes stützen sich auf die islamische Vorherrschaft und auf den arabisch-rassistischen Chauvinismus gegen Christen. Entsprechend die Parolen an die Untertanen. Diese Aufrufe haben weiter zur Dezimierung der christlichen Bevölkerungen in der arabischen und islamischen Welt geführt.

Bei der Unabhängigkeit des Libanons von Frankreich 1946 bestand die Mehrheit der Libanesen aus Christen. Heute sind es weniger als 30%. In der Türkei ist die christliche Bevölkerung von zwei Millionen am Ende des Ersten Weltkrieges auf weniger als 100 000 geschrumpft. In Syrien machten zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Christen fast die Hälfte der Bevölkerung aus. Heute sind noch 4% der Syrer Christen. In Jordanien waren vor einem halben Jahrhundert 18% der Bevölkerung Christen. Heute sind es noch 2%.

Christen wird das Ausüben ihrer Religion in Saudi-Arabien verboten. In Pakistan wird die christliche Bevölkerung systematisch durch vom Regime unterstützte islamische Gruppen zerstört: Kirchen werden niedergebrannt, Konversionen erzwungen; Vergewaltigungen, Morde, Entführungen und juristische Verfolgungen von Christen sind in Pakistan an der Tagesordnung.

Traurigerweise für die Christen der islamischen Welt wird ihre Sache weder von den westlichen Regierungen noch von den Christen im Westen verteidigt. Anstatt die französische Unterstützung der syrischen Opposition und die Aussage ihrer Führer auf Religionsfreiheit für Alle in einem Nach-Assad-Syrien zu hinterfragen, reagierte das französische Außenministerium mit Ärger auf Patriarch Rais Warnung, was wohl Syriens Christen blühen wird, wenn Präsident Bashar Assad und sein Regime gestürzt werden. Das Außenministerium veröffentlichte eine Erklärung, in der es sich “überrascht und enttäuscht” von Rais Aussage zeigte.

Die Obama-Regierung reagierte noch weniger freundlich. Rai reist gerade durch die USA und Lateinamerika auf einer dreiwöchigen Besuchs-Tour zu ausgewanderten maronitischen Gemeinden. Die Existenz dieser Gemeinden ist eine direkte Folge der arabischen und islamischen Verfolgungen der libanesischen maronitischen Christen. Rais Besuch in den USA sollte mit einem Besuch in Washington und dem Treffen von hochrangigen Regierungsvertretern beginnen, unter anderem mit Präsident Barack Obama. Jedoch nach seiner Aussage in Paris wurden alle geplanten Treffen mit ihm abgesagt. Anstatt die Gefahren, auf die Rai aufmerksam gemacht hatte, in Augenschein zu nehmen und den Einfluss der USA einzusetzen, um Christen, Kurden und andere Minderheiten in einem Nach-Assad-Syrien zu stärken, beschloss die Regierung Obama, Rai für Überbringung der Botschaft abzustrafen.

Abgesehen von manchen Protestanten der Evangelikalen sind die meisten westlichen Kirchen ähnlich uninteressiert an der Verteidigung der Rechte ihrer Glaubensgenossen in der islamischen Welt. Die meisten protestantischen Kirchen, angefangen mit der anglikanischen Kirche und ihren US- und internationalen Niederlassungen, die Methodisten, Baptisten, Mennoniten und andere Kirchen, haben keine nachhaltigen Anstrengungen zum Schutz oder zur Verteidigung der Rechte der Christen in der muslimischen Welt organisiert.

Statt dessen haben in den vergangenen zehn Jahren diese Kirchen und die damit verbundenen internationalen Gremien wiederholt das einzige Land im Nahen Osten, in dem die christliche Bevölkerung in den vergangenen sechzig Jahren zugenommen hat, angegriffen: Israel.

Benedikt XVI., der seit fünf Jahren Papst ist, ließ den Vatikan in seiner Regensburger Rede den Fehdehandschuh aufnehmen, indem er die islamische Welt aufforderte, mit Vernunft und Toleranz den anderen Religionen zu begegnen. Jetzt jedoch hat der Vatikan diese grundsätzliche Haltung aufgegeben. Ein echter Diskurs auf Augenhöhe wurde ersetzt durch Zugeständnisse gegenüber dem Islam, im Namen wirtschaftlicher Interessen. Im vergangenen Jahr schenkte Benedikt auf einer Synode über die Christen im Nahen Osten der Verfolgung von Christen durch islamische und populistische Kräfte und Regime keine Aufmerksamkeit. Statt dessen wurde explizit Israel kritisiert.

Die Reichweite des Vatikans erstreckt sich nun bis zum Iran, seitdem er einen Vertreter zu Ahmadinedschads Vorgaukelei einer Art Anti-Terror-Konferenz entsandt hat. Wie Giulio Meotti in dieser Woche in ‘Ynetnews’ schrieb, verließen alle EU-Botschafter während Präsident Ahmadinedschads den Holocaust leugnender Rede den Saal, so wie bei der zweiten Durban-Konferenz der UN in Genf im Jahr 2009; nur der Vatikan-Botschafter blieb sitzen. Somit hat der Vatikan die Anführer der Muslimbruderschaft in Europa und dem Nahen Osten umarmt.

Es ist unklar, was die westlichen Regierungen und die westlichen Kirchen denken und was sie damit erreichen, indem sie sich gegenüber Verfolgung und Dezimierung der christlichen Gemeinschaften in der muslimischen Welt blindstellen. Die Ereignisse am Sonntag in Ägypten und die anderen täglich stattfindenden Angriffe von Muslimen gegen Christen in der ganzen Region zeigen, dass dieses Verhalten niemanden besänftigen kann.

Aber klar ist, dass sie ernten, was sie säen.

Übersetzung: A.mOr
 

 

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