KULTUR ISRAEL

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Artikel veröffentlicht: 14.10.2011, 16:27 Uhr

übernommen aus: audiatur-online.ch -  

www.audiatur-online.ch/2011/10/13/israel-ist-nicht-mehr-allein/ 

Israel ist nicht mehr allein
von Guy Bechor

13. Oktober 2011

Israel gehörte zu den ersten Nationen, die das Argument der Delegitimierung vorbrachten: Seine isolierte Lage in der westlichen Welt würde es zu einem neuen Südafrika machen, sagten die Israelis. Diese Behauptung wurde so sehr verstärkt, dass sie beinahe zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung geworden wäre. Doch es fehlte ihr schon immer an Substanz, und im vergangenen Jahr wurde sie abgeschwächt.
Der Vorreiter der Delegitimierung, Richard Goldstone, hat seinen furchtbaren Bericht so gut wie zurückgezogen. Er erkannte, dass er getäuscht worden war. Sein Sinneswandel hatte Auswirkungen auf internationale Institutionen.
Und was die Rechtmässigkeit der Gaza-Blockade angeht, so hat Israel auch die Schlacht im Palmer-Komitee gewonnen. Vor einem Jahr noch wurde die türkische Gaza-Flottille als humanitäre Aktion wahrgenommen; in diesem Jahr betrachtet der Westen sie als illegale Intervention und gewalttätige Provokation.
Das palästinensische Vorpreschen in Sicherheitsrat und Generalversammlung der Vereinten Nationen ist derzeit ebenfalls gedämpft. Es wurde nicht nur ein amerikanisches Veto gesichert, auch verfügen die Palästinenser für ihr Anliegen aktuell nicht über die erforderliche Mehrheit im UN-Sicherheitsrat. Dies zu erreichen, schien vor einigen Monaten noch unwahrscheinlich.
Wie ist es dazu gekommen? Weil wir nicht über die Gründung eines palästinensischen Staates sprechen; Israel hat ihr längst zugestimmt. Jetzt geht es um die Bedingungen für Gründung dieses Staates, und genau an diesem Punkt haben die Palästinenser wieder ihre ablehnende Rolle eingenommen. Eine Welt, in der Dialog und Gespräch zu Ergebnissen führen, ist einfach nicht bereit, das einseitige palästinensische Diktat zu akzeptieren, das keinen Frieden, keine Anerkennung und keine Sicherheit anbietet.
Kürzlich wurde ein Gesetz zur Anklageerhebung gegen hohe israelische Beamte in Grossbritannien annulliert. Nachdem ein ähnliches Gesetz in Belgien aufgehoben worden war, ist klar, dass eine solche Gesetzgebung missbräuchlich auf Israel zielte.
Als im letzten Monat die UN das 10-jährige Jubiläum der antisemitischen Durban-Konferenz feierte, haben alle fortschrittlichen Staaten diese Veranstaltung boykottiert und heftig verurteilt. Diejenigen, die versuchten, Israel als rassistisch darzustellen, gaben selbst ein antisemitisches und rassistisches Bild ab.
Das gleiche gilt für die politischen Staatsführer, die sich gern antiisraelischer Rhetorik bedienen, wie der iranische Präsident Ahmadinejad und der türkische Ministerpräsident Erdogan. Mit grossem Talent hat Erdogan die Türkei damit auf den Stand eines Dritte-Welt-Landes zurückgebracht, dem man nicht trauen kann. So stehen am Ende die allein da, die versuchen, Israel zu isolieren.
Veränderte Stimmung unter Studierenden
Australien führt neuerdings die Gruppe von Staaten an, die sich entschlossen haben, das Rassismus-Festival zu beenden. Eine emotional geführte Debatte im Parlament endete mit dem Beschluss, Proteste und Boykotte gegen israelische Geschäfte als Straftatbestand aufzunehmen. „Zu glauben, man könne die Politik der israelischen Regierung beeinflussen, wenn man hierzulande ein Geschäft angreift, ist geradezu empörend“, sagte der Minister für Konsumentenschutz Michael O’Brian.
In London wurden einige arabische Demonstranten aus dem Konzertsaal befördert, nachdem sie eine Aufführung des Israeli Philharmonic Orchestra im Sommer mit lauten Zwischenrufen gestört hatten. Das Publikum rief „raus!“ Einen solchen Dienst haben die Palästinenser haben dem demokratischen, westlichen, kulturliebenden Israel seit Jahren nicht mehr erwiesen. Die westliche öffentliche Meinung fängt an, genug von ihnen zu haben. Eine neue Idee im Israel-Branding wäre: Israel ist Kultur, seine Gegner sind Anti-Kultur.
Die Veränderung ist auch unter Studierenden auf der ganzen Welt spürbar. Dutzende jüdischer und israelischer Gruppen entstehen. Sie bringen das Gespräch auf Israel und erhalten positive Resonanz. Die Universitäten sind nicht mehr sorglos wie in der Vergangenheit, obwohl einige sich weiterhin am verwirrten, liberalen Diskurs orientieren. Ein Beispiel für diese Veränderung ist die Columbia University. Noch im letzten Jahr empfing sie Ahmadinejad mit grossen Ehren, dieses Jahr hat sie seinen Besuch nicht gestattet. Ein solcher Präzedenzfall wird Wirkung haben auf andere akademische Einrichtungen weltweit.
Unterdessen gehen auch Klagen gegen internationale oder ausländische Einrichtungen ein, die eine Nähe zu arabischen Terroristen zeigen – auch die Columbia University sah sich von einer solchen Klage bedroht. Wenn es ums Geld geht, gehen die Einrichtungen auf Abstand.
In der Tat ist das Gefühl, dass im Kampf gegen Israel alles erlaubt sei, das noch vor einigen Jahren sehr vertraut war, nicht mehr vorherrschend.
Dr. Guy Bechor
 

 

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