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Artikel veröffentlicht: 01.09.2011, 08:36 Uhr

 

Wir danken Prof. Ekkehard Stegemann (Basel) für die Zustimmung zur Übernahme aus: www.audiatur-online.ch

Die alte deutsche Eiche sprosst im Deutschen Pfarrerblatt

30. August 2011

Ekkehard Stegemann

Das Deutsche Pfarrerblatt ist ein über 100 Jahre altes berufsständisches Organ, das jeden Monat nahezu 20.000 evangelische Pfarrer und Pfarrerinnen (auch im Ausland) erreicht. Es ist kein politisches Blatt, weswegen es geboten ist, politische Meinungen unbedingt theologisch oder berufspezifisch einzubetten.  Seit über 100 Jahren wirkt es zur Meinungsbildung deutscher evangelischer Pfarrer (und neuerdings ja auch Pfarrerinnen). Das Blatt hat also eine Geschichte, die in die Nazizeit und die Zeit der Deutschen Christen zurückreicht. Und die ist übel.

Offen, wie es für neue Bewegungen war, hat es schon 1930 dem begeisterten Hitler-Jünger unter den Pfarrern, Friedrich Wieneke, eine Plattform gegeben. Der durfte einen Grundsatzartikel zur Förderung des „arisch-germanischen Menschen“ schreiben, der in der Gestalt der NSDAP-Mitglieder seine Gemeinschaftstreffen mit der Parole „Juda verrecke!“ eröffnete. Pfarrer Wieneke fand das zwar roh, aber unter der „rauen Schale“ findet er gleichwohl „das beste Leben, das je aus der alten deutschen Eiche herauswuchs.“ Hitlers rassistische Ideologie in „Mein Kampf“ – und hier erfüllte Wieneke die Pflicht, alles im Pfarrerblatt in Theologie einzuwickeln – gab er als Offenbarung von „Gottes Schöpfungswillen“ aus. Er stiess auf wenig Widerspruch und durfte sich vieler Zustimmung erfreuen. Wieneke stieg denn auch sehr zügig auf. 1933 wurde er Oberkonsistorialrat in Berlin und Reichsreferent der „Deutschen Christen“.

In der letzten – auch Online zur Verfügung stehenden – Ausgabe des Deutschen Pfarrerblatts hat Pfarrer Vollmer einen Grundsatzartikel veröffentlichen dürfen: „Vom Nationalgott Jahwe zum Herrn der Welt und aller Völker“. Der Titel klingt an Deutsche Theologie unseligen Angedenkens an und hält dieses Versprechen auch in abscheulichster Weise ein. Selten konnte man eine so hasserfüllte antiisraelische und antizionistische Propaganda in einem als seriös geltenden Blatt lesen – geschichtsklitternde Lügen inbegriffen. Juden dürfen nach seiner theologischen Meinung keinesfalls einen Staat haben und sind „Eindringling(e) und Räuber“, die der alteingesessenen Bevölkerung das Land gestohlen hätten, weswegen Gewalt gegen die Juden kein Terror, sondern Widerstand ist. Das war auch seinerzeit  die Meinung des Grossmufti von Jerusalem, der Hitlers Freund war und ihn mahnte, bitte nicht zu vergessen, dass es auch Juden in Palästina gibt, gegen die er noch „Widerstand“ zu leisten habe. Es lohnt sich nicht, den ganzen bösartigen Unfug, den der Pfarrer Vollmer im Deutschen Pfarrerblatt veröffentlichen durfte, hier weiter zu benennen und zurückzuweisen. Man beschmutzt sich nur. Wichtiger ist politisch, dass die Welle der Empörung, die der Artikel ausgelöst hat,  den Herausgebern des Deutschen Pfarrerblatts Anlass ist, das Folgende festzustellen:

„Das Deutsche Pfarrerblatt verstand sich in seiner langen Geschichte schon immer als ‚öffentlicher Sprechsaal’ von Pfarrern und Pfarrerinnen für Pfarrer und Pfarrerinnen. Es besteht darin der Freiraum, theologische Sachdiskussionen zu führen – in aller Freiheit, auch in der Freiheit, mit der eigenen Position auf Widerspruch zu stoßen und von anderen korrigiert zu werden.“

Das ist in der Tat historisch richtig. Was Abscheuliches auch immer ein Pfarrer Vollmer über Juden oder Israel denkt und gar aufschreibt, er darf wie Pfarrer Wieneke unseligen Angedenkens 1930 im Deutschen Pfarrerblatt noch heute „in aller Freiheit“ sich zu Wort melden. Freilich nur, weil sein Beitrag Juden, Israel und den Zionismus herabsetzt und schmäht und Geschichtsfälschung betreibt. Denn dafür gibt es ja einen „öffentlichen Sprechsaal“. Die „alte deutsche Eiche“ sprosst im Deutschen Pfarrerblatt.

 

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