GEGEN ANTI-ZIONISMUS UND TERROR

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Artikel veröffentlicht: 19.07.2014, 08:33 Uhr

´Gegen Anti-Zionismus und Terror´
Rede auf der Kundgebung 18. Juli 2014 Willy-Brandt-Platz, Essen
Karl H. Klein.-Rusteberg,
Geschäftsführer der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V.

„Eine andere Welt ist möglich!“ Warum eigentlich hat dieser Schlachtruf der globalisierten Menschen guten Willens immer noch nicht den Effekt, uns nicht nur mit Blick in das vergangene 20. Jahrhundert, sondern mit dem Blick in die Tagesgegenwart, in Angst und Schrecken zu versetzen? Oder besser ins Nachdenken über solche Floskeln der vermeintlich guten Weltveränderungen per mouse-click-Revoluzzertum?
 

Es sind doch gar nicht so wenige Kinder und Jugendliche aus Deutschland und dem weiteren Europa, Kinder, welcher Herkunft auch immer, auf die der syrische Krieg, der im Irak und weitere sich bahnbrechende Barbareien des 21. Jahrhunderts buchstäblich tödliche Faszination mittels Internet und anderer Verblendungen ausübt. Die Kinder und Jugendlichen sind nicht selten bereit, ihr Leben zu geben für eine andere Welt, wie sie sich in all ihrem gewollten Chaos nahezu täglich deutlicher abzeichnet und womöglich demnächst mit den Barbareien des 20. Jahrhunderts in all ihrer Destruktivität mithalten kann.

Und: bei all den möglichen Unterschieden, die uns Historiker, Theologen, Politologen und andere meinen erklären zu können, haben diese historischen, wie gegenwärtigen Barbareien eins gemein: Sie kulminieren in einer Judenfeindschaft, die die meisten von uns noch vor wenigen Jahren für unmöglich oder zumindest höchst unwahrscheinlich hielten.

War es zum Ausgang des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert der deutsche Satz „Die Juden sind unser Unglück“, so heisst es heute globalisiert: „Israel gefährdet den Weltfrieden“. Dieser Satz, ob ausgesprochen oder in konsequentes, oft tödliches Handeln übersetzt, führt derzeit dazu, dass – um nur ein Beispiel herauszugreifen – annähernd 1.000 Juden aus Paris in den letzten Wochen nach Israel gegangen sind. Gegangen? Sind sie geflohen? Haben sie – wie die Juden sagen – Aliyah gemacht, also sind ins jüdische Land der Verheißung und des Schutzes? Des Schutzes? Mehrere Hundert Juden also - und das ist nur ein Beispiel aus dem angeblich so grandiosen Projekt des Friedens, genannt Europa. Juden, die vor den ideologisch, theologisch/religiös und Testosteron-aufgepeitschten Jungen fliehen, die europaweit zu Tausenden die Freiheit des Demonstrationsrecht missbrauchen, die „Tod den Juden!“ und „Tod Israel!“ skandieren und das nicht aus Angst, sondern aus fanatischer Liebe zur eigenen Unterwürfigkeit. So ähnlich nun also auch hier in Essen.

Gern haben sich viel von uns in den letzten Jahrzehnten angesichts der Polizei vor der ALTEN SYNAGOGE und der Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde eingeredet, die Geschichte dieses Polizeischutzes sei einer Geschichte, die “wir“ – und mit „wir“ meinten wir anmaßend uns alle als Juden in der Stadt – den Ewiggestrigen, den Neo- und Altnazis zu verdanken. Hat man – wie dezent auch immer – darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Schutz meist seit dem Massaker auf die israelische Olympiamannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 in München an den Synagogen in diesem Land vorzufinden sei, wir es also mit einer Errungenschaft des Erfinders des modernen Terrorismus, namens Arafat, zu tun haben, galt dieser Hinweis schnell als Übertreibung oder gar als Versuch, real existierenden Rechtsradikalismus zu relativieren. Nun, vielleicht haben wir wenigstens diese kleine Lehre aus der Geschichte gelernt: der Terrorismus der letzten vierzig bis fünfzig Jahre war ein Eigenprodukt der sog. Dritten Welt, wenig später dann in der sog. Ersten Welt blutig und tödlich imitiert.

Israel müssen wir keine Friedenslektionen erteilen. Die Judenmission sei christlicherseits weitestgehend abgeschafft, habe ich vernommen. Auch die Bürgerinnen und Bürgern in unserer Partnerstadt Tel Aviv, die in den letzten Tagen unter dem Raketenbeschuss aus Gaza zu leiden hatten, müssen wir nicht belehren. Ihnen gilt hier und heute unser Gruß! Auch wenn praktisch nicht viel getan werden kann: Wir grüßen Tel Aviv als Partnerstadt Essens und erlauben uns damit auch die Frage zu verbinden, warum die offiziellen Stimmen der Stadt, der Kirchen usw. noch nicht unmissverständlich zu Israel zu stehen? Diese Stimmen fehlen. Oder haben wir sie nicht zur Kenntnis genommen? Nicht wenige Anfragen wurden darüber gestellt, ob es den Offiziellen womöglich eher darum ginge, Eindeutigkeiten im „Ja, wir stehen zu Israel!“ zu (ver)meiden? Oder ist die Lupenreinheit unseres historischen belehrten Demokratiebewusstseins schon so rein, dass wir ernsthaft glauben, Hamas und andere Terrorgruppen, wie auch ihre de facto Sympathisanten hier und heute, seien – um es mit Altkanzler Schröder zu sagen – auf Augenhöhe mit der demokratisch gewählten, demokratisch legitimierten und der Gewaltenteilung verpflichteten Regierung des Staates Israel gleichzusetzen? Ist es schon so weit gekommen, dass die prinzipielle Unterscheidung zwischen den Kriegsparteien nicht mehr wahrgenommen und auch als solche nicht mehr ausgesprochen oder gar nicht mehr erkannt wird? Das können wir uns nicht vorstellen. Also: statt lupenreiner Demokratie, eine Demokratie mit all ihren Unwägbarkeiten und misslingenden, neu zu versuchenden Lösungsansätzen. Diese freiheitliche Demokratie wollen wir. Auch dafür stehen wir hier und heute!

Ähnliches gilt ja auch für Israel. Deshalb gibt es keinen gleichen moralischen Abstand zwischen Israel und den Machthabern in Gaza, deren Ziel es gar ist, der gierig nach Bildern, statt nach Worten lechzenden Weltöffentlichkeit ihre Toten vorzuführen. Ihr Todeskult ist Destruktivität pur. Wir sollten der biblischen Weisheit – wenn sie uns auch in gänzlich anderem Kontext gesagt ist – folgen und den Bildern misstrauen! Hamas und Co. gilt das Leben der Palästinenser nichts. Die Palästinenser sind – man mag diese Wahrheit kaum aussprechen – der Hamas ein terroristisches Mittel zum Zweck der Zerstörung des jüdischen Staates. Sie sind Feind Israels als dem Inbegriff und einzigen Beispiel westlicher Freiheit im Mittleren Osten. Diese zu verteidigen gilt unsere Solidarität mit Israel!

Und der Jüdischen Kultus Gemeinde in unserer Stadt sei deshalb gerade heute zugerufen: Schabat Schalom!!
 

 

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